Montag, Juli 25, 2005

Kaltwasseruhren

Heute morgen habe ich wieder eine beliebte Sportart ausgeübt: das Handwerkerwarten.

Angekündigt wird das meistens durch einen Aushang im Hausflur, der besagt, daß die Hausverwaltung irgendeinen Handwerkermuckel damit beauftragt hat, irgendwas nachzuschauen, zu warten oder auszutauschen. Heute waren es die Kaltwasseruhren, die getauscht werden mussten und der Aushang bat mich höflichst, in der Zeit von 09:00 bis 13:00 Uhr zu Hause zu sein um dem Klempner Einlass zu gewähren.

Wäre ich noch Angestellter, so hätte ich mir dafür nen halben Tag Urlaub nehmen müssen, aber als Freiberufler arbeitet man dann eben mal zu Hause. Und dann endlich um 11:30 Uhr klingelts an der Haustür und ein Typ mit Klemmbrett steht vor der Tür. Stellt sich nicht vor und sagt nicht was er will sondern sagt nur "Muss mal ins Bad!" Ich war schon kurz davor zu erwähnen, daß meine Wohnung keine öffentliche Toilette wäre, aber man konnte sich ja schon denken, daß es der Kaltwasseruhrenbeauftragte war. Für einen Handwerker war der aber nicht arbeitsklamottig genug und roch noch zu frisch nach Old Spice oder Tabac oder so.

Kaum stand der Typ bei mir im Bad und las die alte Kaltwasseruhr ab, klopfts an der Tür und der Kaltwasseruhrenbeauftragte Nummer zwei stand da. Dieser war klar als Klempner zu erkennen: Karohemd, bunte Hosenträger und Arbeitshose und diese Aura von Handwerkerschweiss um sich herum. Das lustigste an ihm war aber seine Statur. Er ging mir bis zur Brust, war aber fast doppelt so breit wie ich. So ne richtige Ritter Sport-Figur: quadratisch, praktisch, gut. Und mit einem Händedruck wie ein Schraubstock. So müssen Handwerker sein.

Der Klemmbrett-Typ hatte in der Zwischenzeit beide Uhren abgelesen und ich quittierte die abgelesenen Zählerstände. Da vor einem halben Jahr schon mal die Klempner da waren wegen der Heißwasseruhren, sah ich mich zu der Frage genötigt, warum man denn nicht Heiß- und Kaltwasseruhren in einem Rutsch wechseln könnte, wäre doch viel praktischer. Da hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht, der Klemmbrett-Typ sah mich ganz konsterniert an und erklärte mir mit einem Unterton des Unverständnisses, daß die Heißwasseruhren nur auf 5 Jahre geeicht wären, die Kaltwasseruhren aber auf 6 Jahre. Klammer auf, das müsste man doch wissen, Klammer zu. Bitte ablegen unter: Dinge, die man nicht verstehen muß.

Mittlerweile hatte der Klempner seine Ritter Sport-Figur nahezu komplett in unserem Spülen-Unterschrank geschoben und randalierte an der dortigen Wasseruhr herum. Kurz dachte ich mir: was mache ich denn wenn der da nun steckenbleibt? Den bekomme ich doch nur mit 'nem Kuhfuß da wieder raus. Er hats dann aber doch noch selber geschafft. Aber nicht ohne eine gehörige Portion Handwerkerschweissduft in meiner Küche zu hinterlassen. Im Abgang riecht das bei Klempnern immer ein bischen nach Dichtungshanf und kaltem Metall mit einer leichten Note Schmierfett.

Na dann bis in 4 1/2 Jahren wieder, wenn die Heißwasseruhren wieder dran sind. Ich freu mich jetzt schon drauf. Und halte mir bereits jetzt schon den Montag von 07:00 bis 15:00 Uhr frei.