Mittwoch, Mai 25, 2005

Beobachtungen im Zug

Gestern in Frankfurt gewesen. Da ich genug zu schreiben hatte, habe ich mal wieder den Zug genommen, morgens hin, abends zurück.



So ein Tag geht am Zugpersonal auch nicht spurlos vorüber, so wurden die Durchsagen immer bockloser und monotoner: *nölige Stimme in einer Tonlage* "NächsterhaltGöttingensiehabenAnschlussanden RegionalexpressdreisechssechneunRichtungErfurtAbfahrteinundzwanzig UhrsiebenabGleisacht..." Warum haben Sie den unbedingt Prinz Valium ans Mikro gelassen? Das Sicherheitsballett im Flugzeug wird da noch ansprechender präsentiert.

Lustig ist aber auch Leute beobachten, im Zug hat man da ja genug Zeit. So saß schräg gegenüber ein langer, schlaksiger Typ, ich nenn ihn einfach mal Physikstudent. Der hat mich in Ordnungs-Spiessigkeit um Längen geschlagen, und Leute, die mich kennen, wissen wie schwer das ist.
Er las parallel in zwei Lehrbüchern, die parallel zur Tischkante akkurat nebeneinander lagen. Seine metallene Stiftebox lag im rechten Winkel ausgerichtet über den Büchern. Needless to say, daß alle Stifte fein säuberlich gespitzt waren. Er las also in seinen Büchern und markierte die für ihn wichtigen Stellen mit einem roten Buntstift, natürlich unter Zuhilfenahme eines Geodreiecks, welches er mit chirurgischer Präzision mit seinen langen, dünnen Fingern über die Buchseiten führte. Großes Kino (Vielleicht hat er Stackenblochen erfunden?).
Komischerweise hat er fast jeden Satz angestrichen, so daß eine gelesene Seite von roten Unterstreichungen nur so strotzte (man erinnere sich an den TV-Spot vom Handelsblatt). Hätte er doch nur die Stellen angestrichen, die unwichtig waren. Das wäre weniger Arbeit gewesen.