Donnerstag, Februar 03, 2005

Bigotterie

In der heutigen Ausgabe des Tagesspiegels gehts im Leitartikel wieder mal um den Wettskandal. Besonderen Augenmerk möchte in dieem Zusammenhang auf folgenden Absatz lenken:
"Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) fordert ein Frühwarnsystem für ungewöhnliche Wetteinsätze. "Wir müssen das Lotterie-Frühwarnsystem auf neue Gleise setzen", sagte er. Die Ministerpräsidenten würden sich des Themas annehmen, kündigte er an, warnte aber bei einem Einbrechen der Wetteinsätze vor finanziellen Einbußen für die Länder."

Soll denn hier jetzt der Bock zum Gärtner gemacht werden? Im Prinzip isses doch so: je mehr (beim staatlichen Toto-Lotto-Block) gewettet wird, desto mehr Einnahmen fallen über die jeweiligen Ländergesellschaften für die Bundesländer ab. Und nun sagt Herr Beck: 'Fußball-Wett-Skandal, wir müssen regulieren. Aber - oh Gott - wir dürfen aber nicht weniger dran verdienen...' Lieber Herr Beck, Prinzipien sind erst dann Prinzipien, wenn sie Geld kosten. Und wenn der Staat meint, hier noch stärker regulativ in den Wettsektor einzugreifen, dann muss damit gerechnet werden, daß weniger Steuereinnahmen bei rumkommen.

Das staatliche Monopol existiert doch primär nur unter der Prämisse, Mißbrauch auszuschliessen und die Wettlust der Bevölkerung in geregelten Bahnen zu halten. Daß dies nebenher eine millionenschwere Einnahmequelle für die Länder ist, wird gerne ins Abseits gerückt. Daher halte ich es zunächst mal für ein Lippenbekenntnis, wenn nun von allen politischen Seiten nach einer stärkeren staatlichen Reglementierung für Wetten gesprochen wird. Man wird sich doch nicht eine der maßgeblicheren Einnahmequellen für öffentliche Haushalte selber abdrehen.

Zwei weitere Dinge stören mich ebenfalls an der aktuellen Diskussion. Zum einen bekomme ich Pocken wenn ich Statements wie das von DFB-Präsident Theo Zwanziger lese "es handele sich um einen Kriminalfall, der die gesamte Gesellschaft berührt." Auch hier wieder: laßt die Kirche im Dorf. Kriminelle Energie ist überall und ebenso gibt es überall Menschen, die versuchen, sich zu bereichern. An der Börse gibts Insidertrading, was manchmal meines Erachtens zu schnell als Kavalierdelikt abgetan wird; nur bei der heiligen Kuh Fußball tun nun alle, als ob der Sündenfall Babels erneut eingetreten wäre.

Zum anderen werden hier die Wettanbieter als Ursache allen Übels hingestellt, der erste Anbieter wurde bereits verboten. Das Angebot an sich ist meiner Ansicht nicht verwerflich, sondern lediglich der Mißbrauch. Sonst müßte man ja auch gleich den Gebrauchtwagenhandel verbieten, nur weil ein paar Menschen dabei übers Ohr gehauen wurden und für ne schrottreife Möhre wieder besseren Wissens viel zuviel Geld bezahlt haben.

1 Comments:

Blogger sirstick said...

Zu diesem Thema habe ich gerade bei der Wirtschaftswoche noch einen interessanten Artikel gefunden.

11:07 vorm.  

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